„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview Kay Senius (SPD)

Zum Wahlkampf

Kay Senius

Läuft der Wahlkampf aus Ihrer Sicht, die Ergebnisse der Umfrage des MDRs zugrundegelegt, wie erwartet?

Das Ergebnis stimmt mich zuversichtlich. Es ist eine ehrliche Bestandsaufnahme und zeigt, dass wir noch viel Luft nach oben haben. Derzeit kennen mich 41 Prozent der Hallenserinnen und Hallenser. Das ist ein Wert, der noch verbessert werden muss - keine Frage. Ich bin aber optimistisch, dass wir zusammen meine Bekanntheit noch steigern werden. Nicht vergessen dürfen wir außerdem: Zum Zeitpunkt der Umfrage hatte die heiße Wahlkampfphase noch nicht begonnen. Würde die Umfrage heute gestartet werden, sähe mein Ergebnis ganz sicher besser aus.

Ist der Wahlkampf in Halle ein Personen- oder Parteienwahlkampf?

Oberbürgermeisterwahlen sind immer Personenwahlkämpfe. Ohne Unterstützung meiner Partei, der SPD, wäre dies aber niemals möglich.

Zur Stadt

Welcher der bisherigen Oberbürgermeister der Stadt Halle hat seine Arbeit aus Ihrer Sicht bisher am besten gemacht?

Wenn ich in der Stadtgeschichte weiter zurückdenke kommt man an Richard Robert Rive nicht vorbei. Er hat die Stadtverwaltung modernisiert und die Stadtentwicklung maßgeblich mit viel Weitsicht geprägt. Nach der Wende haben die letzten drei Oberbürgermeister die Stadt Halle jeweils in unterschiedlichem Umfang vorangebracht. Es gibt aber weiterhin viel zu tun.

Und warum?

Klaus Peter Rauen hat als besondere Leistung Heide-Süd auf den Weg gebracht, Ingrid Häußler der Bürgerbeteiligung durch Einführung der Stadtteilforen eine ganz neue Bedeutung zugemessen und Dagmar Szabados hat den Verlockungen des Verkaufs kommunalen Wohneigentums widerstanden, was u.a. im Rahmen der heutigen Stadtentwicklung ganz andere Möglichkeiten eröffnet.

Wie beurteilen Sie die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und wo kann man diese noch verbessern?

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist es meiner Einschätzung nach noch nicht vollständig gelungen, die Vielfalt Halles in der überregionalen öffentlichen Wahrnehmung zu verankern. Insbesondere die Rolle Halles als Stadt der Wissenschaft und der bildenden Künste gilt es hier in der bundesweiten Wahrnehmung weiter auszubauen.

Die finanzielle Situation der Stadt erfordert große Einsparungen in den Ausgaben. An welchen Stellen darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden?

Vor allem im Bereich der Bildung haben Einsparungen langfristig negative Auswirkungen. Deshalb muss das finanzielle Engagement zum Beispiel im Rahmen der frühkindlichen Bildung ebenso erhalten werden, wie bei Investitionen in die Ausstattung unserer Schulen und bei der Zusammenarbeit von Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe.

Wo bestehen Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen?

Wir müssen der Realität ins Auge sehen: Eingemeindungen wären zwar gerechtfertigt und erforderlich, um unser strukturelles Einnahmedefizit zu beseitigen, aber sie sind politisch zurzeit nicht (mehr) durchsetzbar. Aus diesem Grund müssen wir zwar weiterhin für Eingemeindungen offen sein und die Chance dazu im Fall eines Falles nutzen. Aber gefragt sind vor allem mögliche Alternativen hierzu.
Zur Erhöhung der Einnahmen setze ich zum Beispiel auf den Ausbau der Kooperationen mit dem Umland. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Kooperationen mit einem Zugewinn für beide Partner verbunden sind. Die gemeinsame Erschließung des Star-Parks mit dem Saalekreis ist dafür ein gutes Beispiel. Kooperationen mit den Stadtwerken hinsichtlich der Versorgung oder auch ein gemeinsames ÖPNV- Konzept denke ich ebenso an. Auch sollten wir uns gemeinsame Gesellschaften ebenfalls als Option erhalten. Eventuell lässt sich dabei auch das Land als Gesellschafter mit ins Boot holen.

Zur Politik

Sie sind politisch in Halle noch nicht in Erscheinung getreten, warum dann gleich der "große Sprung" Richtung Oberbürgermeisteramt?

Als OB muss man nicht nur eine Vorstellung von der künftigen Entwicklung der Stadt haben, man mussauch eine Verwaltung führen und die Stadtvertreten und repräsentieren. Das erfordert einen unverstellten Blick auf die Potenziale, aber auch auf die Herausforderungen der Stadt.
Eine umfassende Verwaltungserfahrung ist für die Aufgabe ebenfalls von großem Vorteil, wie Führungsgeschick, soziale Kompetenz und die Fähigkeit zu moderieren und zu vermitteln. Dies alles muss ich bereits in meiner jetzigen Funktion unter Beweis stellen. In Verbindung mit meinen Kompetenzschwerpunkten Arbeit und Wirtschaft gibt mir dies das Selbstvertrauen und die Sicherheit der Aufgabe gerecht zu werden. Leidenschaft und Begeisterung für unsere Stadt geben mir den Antrieb.

Welche Vorteile hat Ihre Verwaltungserfahrung für das Amt des Oberbürgermeisters?

Jede Verwaltung muss sich im Außenverhältnis daran messen lassen, wie kompetent, verlässlich, transparent und bürgernah sie handelt. Nach Innen müssen Verwaltungen wirkungsvoll aufgestellt sein, wirtschaftlich handeln und loyal gegenüber der Leitung und den Aufsichtsgremien sein. Um diesen Erfordernissen gerecht zu werden, müssen Verwaltungen immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst bzw. umstrukturiert werden. Ich denke, eine große Stadtverwaltung muss sich gerade in Zeiten knapper Kasseneinergrundlegenden Aufgabenkritik stellen und dieerforderlichen Anpassungen vornehmen, um den Ansprüchen an einen modernen, serviceorientierten Dienstleister zu entsprechen, der anerkannt und geschätzt ist. In Verlauf meiner langjährigen Verwaltungserfahrung habe ich solche Reformprozesse immer wieder initiiert und erfolgreich umgesetzt. Aus dieser Erfahrung weiß ich, dies ist immer nur mit den Mitarbeitern gemeinsam gestaltbar und umsetzbar.

Zu den Bürgern

Bleibt neben der kommenden politischen Arbeit, sollten Sie für das Amt gewählt werden, noch Zeit für die Anliegen der Bürger?

Auf jeden Fall! Mein Wahlmotto beinhaltet „NEU DENKEN“. Neu denken verbinde ich dabei mit dem Anspruch, kommunale Entscheidungen immer zuerst aus der Sicht des Bürgers zu beurteilen. Was aus interner Verwaltungssicht zunächst logisch und richtig erscheint, findet oft dann wenig oder keine Akzeptanz, wenn der Sachverstand der unmittelbar Betroffenen nicht ausreichend berücksichtigt wird. Deshalb werde ich neben der Beibehaltung der schon etablierten Stadtteilforen, die eine gleichberechtigte Diskussion zwischen Betroffenen und Stadtverwaltung ermöglichen sollen, auch die ehrenamtlichen Bürgerinitiativen und Vereine stärker einbinden. Dazu sind einerseits Fachforen zu Themen wie Wirtschaft, Bildung oder Kultur zu stärken und andererseits möchte ich neben diesen „größeren“ Foren auch im kleineren Kreis, in sogenannten Bürgerforen, unmittelbar mit Ihnen ins Gespräch kommen und mit Ihnen diskutieren. Außerdem muss ehrenamtliches Engagement, ohne das Halle ein Stück ärmer wäre, alleine schon dadurch unterstützt werden, dass immer ein direkter Zugang zum Oberbürgermeister möglich ist.

Sie nutzen auch Facebook aktuell für die Werbung für Ihre Kandidatur, wollen Sie diese Kommunikation auch nach der Wahl fortsetzen? Welche Möglichkeiten bieten Plattformen wie Facebook aus Ihrer Sicht für die Politik?

Bezüglich einer Fortführung der Nutzung von Facebook bin ich noch unentschlossen. Auf der einen Seite ist Facebook eine gute Möglichkeit mit den Bürgerinnen und Bürgern schnell und unkompliziert ins Gespräch zu kommen, andererseits ist es auch sehr zeitintensiv, wenn es systematisch und kontinuierlich genutzt und aktuell gehalten wird, was mein Anspruch wäre. Ich sammle im Wahlkampf jetzt gerade meine Erfahrungen und werde dann entscheiden.

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