„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview Ingolf Schöppe (parteilos)

Zum Wahlkampf

Ingolf Schöppe

Läuft der Wahlkampf aus Ihrer Sicht wie erwartet? Wie groß ist der Aufwand als parteiloser Kandidat, einen Wahlkampf durchzuführen?

Der Wahlkampf für einen parteilosen Kandidaten ist neben seinen eigentlichen Tagesaufgaben eine zusätzliche, manchmal zeitlich schwierige, Koordinationsaufgabe. Sie planen und realisieren eine derartige Aufgabe nur, wenn die Familie diese Herausforderung mit trägt. Der Arbeitstag beträgt manchmal 15 bis 18 h und schließt die Wochenenden ein. Wer allerdings sich dieser Aufgabe stellt, hat dies auch geplant.  
Ob der Wahlkampf erfolgreich ist, werde ich am 01.07.12 sehen. Bisher erkenne ich von vielen Nichtwählern, dass diese meine OB-Kandidatur als echte Alternative zu den Kandidaten von Parteien sehen, zumal diese bereits seit Jahren im Stadtparlament vertreten sind.

Ist der Wahlkampf in Halle ein Personen- oder Parteienwahlkampf?

Wenn man davon ausgeht, dass die Parteien ihre Kandidaten bereits Anfang März in der Öffentlichkeit vorgestellt haben und auch seitens der Medien als "die Kandidaten" im Mai gefeiert wurden, ist von einem Parteienwahlkampf auszugehen. Denn erst am 11.06.12 hat der Stadtrat die Kandidaten bestätigt, hier hätte eigentlich die Vorstellung und Präsentation erst beginnen müssen. Zumal auch zahlreiche Veranstaltungen von Stadträten geplant und realisiert wurden, obwohl die Bewerbung der Kandidaten erst am 05.06.12 endete.

Zur Stadt

Welcher der bisherigen Oberbürgermeister der Stadt Halle hat seine Arbeit aus Ihrer Sicht bisher am besten gemacht? Und warum?

Sicherlich Herr Rauen, da 1990 eine neue Entwicklung einsetzte und unsere Stadt eine Vielzahl von Veränderungen erfahren hat. Zudem waren alle Hallenser mit viel Energie und dem Wunsch nach Veränderung angetreten.

Wie beurteilen Sie die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und wo kann man diese noch verbessern?

In Vorbereitung von Beschlüssen sollten die verantwortlichen Mitarbeiter Bürgergespräche bzw. Einwohnerversammlungen organisieren und durchführen. Hier sind die Einwohner noch stärker als bisher in die Vorbereitung von Beschlussvorlagen einzubinden. Das Internet, als auch die Presse, bieten hierzu eine Basis.

Die finanzielle Situation der Stadt erfordert große Einsparungen in den Ausgaben. An welchen Stellen darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden?

In Fragen der Bildung und Erziehung sollten keine weiteren Einsparungen vorgenommen werden. Vielmehr sind auch die Einwohner unserer Stadt aufgefordert, gegebenenfalls Einsparungsvorschläge zu unterbreiten. Man muss sich stärker darüber bewusst werden, dass öffentliche Räume und auch Verkehrsmittel von allen Einwohnern verantwortungsvoll genutzt werden, da jährlich über mehrere Millionen Euro Schäden wegen Vandalismus und mutwilliger Zerstörung verursacht werden, die man wesentlich besser einsetzen kann.

Wo bestehen Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen?

Einnahmen lassen sich erzielen durch Ansiedlung produzierender Gewerbebetriebe, einer vernünftigen Entlohnung, der Förderung des Mittelstandes und eines besseren Angebotes im Warensortiment des Groß- u. Einzelhandels. Wenn man, z. Bsp. Galeria Kaufhof in Halle mit Leipzig vergleicht, stellt man fest, dass hier schon ein wesentlicher Unterschied erkennbar ist, was zur Abschöpfung der Kaufkraft beiträgt.

Zur Politik

Sie sind politisch in Halle noch nicht in Erscheinung getreten, warum dann gleich der "große Sprung" Richtung Oberbürgermeisteramt?

Als parteiloser Oberbürgermeister wäre ich nur unseren Einwohnern der Stadt verpflichtet, was dazu führt, dass die Gemeinsamkeit zur Umsetzung einer guten Kommunalpolitik sich besser über alle Fraktionen herausstellen lässt. Denn vergleicht man die verschiedenen Programme der einzelnen Parteien, so wollen ja alle das gleiche Ziel erreichen, eine gute Kommunalpolitik für unsere Einwohner. Wenn man davon ausgeht, dass ca. 130.000 bis 140.000 Einwohner 2006 nicht wählen waren und im Moment eine ähnliche Größenordnung von Nichtwählern erwartet, ist meine Kandidatur durchaus berechtigt.

Sie sind parteilos. Stehen Sie einer Partei nahe?

Die Parteien erreichen gegenwärtig nicht mehr unsere Einwohner, daher stehe ich auch keiner Partei nahe.

Zu den Bürgern

Bleibt neben der kommenden politischen Arbeit, sollten Sie für das Amt gewählt werden, noch Zeit für die Anliegen der Bürger?

Oberbürgermeister und Stadtverwaltung sollten bürgernah arbeiten. Ich gehe davon aus, dass die Stadtverwaltung mit seinem Bürgerservice auf einen guten Weg ist und auch hier der nachhaltige Ausbau in eine bürgernahe Arbeit weiter geführt werden muss.

Sie nutzen in Ihrem Wahlkampf die sozialen Netzwerke, wie zum Beispiel Facebook, nicht für den Wahlkampf. Aus welchen Gründen verzichten Sie auf diese Plattformen? Haben Plattformen wie Facebook aus Ihrer Sicht einen Einfluss die Politik?

Die verschiedenen sozialen Netzwerke, wie Facebook, Twitter u.a., dienen der Kommunikation und haben auch sicherlich einen Einfluss in unserer Informationsgesellschaft, obwohl ich selbst nicht in Facebook verankert bin, wird mein Wahlkampf in Facebook weiter getragen.

Wir können nur hoffen, dass viele Hallenser von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

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