„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview Bernd Wiegand (parteilos)

Zum Wahlkampf

Bernd Wiegand

Warum haben Sie Ihre Kandidatur zum Amt des Oberbürgermeisters so früh bekannt gegeben?

Ich trete als parteiloser Einzelbewerber an, der viele Bürger ansprechen möchte. Dafür benötige ich Zeit. 

Welche Schwerpunkte wollen Sie im Wahlkampf setzen?
Ich stelle mich unter dem Motto "Hauptsache Halle" zur Wahl. Die Beteiligung der Hallenser in kommunalpolitischen Angelegenheiten ist mir dabei besonders wichtig. Jeder kann sich einbringen - unabhängig von einzelnen Parteiinteressen. Dazu müssen Vorgänge innerhalb der Stadtverwaltung verständlich dargestellt werden und für jedermann nachvollziehbar sein. Halle wird die Hauptsache meiner Politik: Über meine Schwerpunkte in einzelnen Politikfeldern können sich Bürger auf meinen Internetseiten unter www.bwiegand.de informieren.

Wird Ihr Wahlkampf durch Parteien oder Mitglieder des Stadtrates unterstützt?
Darüber haben die Parteien im Mai 2011 noch nicht entschieden. 

Welche Chancen rechnen Sie sich als parteiloser Kandidat aus?
Sehr gute. Ich habe viel Zuspruch erfahren - auch aus allen Fraktionen des Stadtrates.

Zur Stadt und zum Stadtrat

Wie haben Sie Halle gesehen, als Sie das erste Mal hier waren und wie hat sich diese Sicht durch Ihre Zeit in der Stadt geändert?
1991 war ich zum ersten Mal in der Stadt. Inzwischen ist Halle moderner geworden, ohne das Flair einer Stadt am Fluss zu verlieren. Halle ist heute eine lebendige Stadt mit Geschichte.

Welcher der bisherigen Oberbürgermeister der Stadt Halle hat seine Arbeit aus Ihrer Sicht bisher am besten gemacht?
Richard Robert Rive (1864-1947).

Und warum?
Während seiner 26-jährigen Amtszeit hat sich die Stadt Halle (Saale) zu einer modernen Großstadt entwickelt. Die Stadt hatte durch das verlässliche Wirken des Stadtoberhauptes einen guten Ruf und war anerkannt.

Wie beurteilen Sie die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und wo kann man noch Optimierungen durchführen?
Die derzeitige Öffentlichkeitsarbeit möchte ich nicht bewerten. Vor allem müssen die Entscheidungen der Verwaltung transparent gemacht werden.

Die finanzielle Situation der Stadt erfordert große Einsparungen in den Ausgaben. An welchen Stellen darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden?
Ob das so ist, wird erst der Konzernhaushalt der Stadt zeigen. Im Moment werden nur die städtischen Ämter im Haushalt abgebildet, nicht jedoch die städtischen Unternehmen. Das wird sich mit der Einführung des Systems der "Doppelten Buchführung in Konten", kurz: Doppik, künftig ändern. Erst danach ist eine Gesamtbetrachtung der Finanzsituation der Stadt Halle (Saale) möglich.

Grundsätzlich sollten die freiwilligen Leistungen erhalten bleiben, die präventiven Charakter haben.

Wo bestehen Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen?
Die Stadt muss entsprechend ihrer Aufgaben die Landeszuweisungen erhalten. Darauf ist vorrangig hinzuwirken.

Zur Politik

Sie sind im März 2011 nach knapp einem Jahr aus der SPD ausgetreten. Aus welchen Gründen sind Sie in die SPD eingetreten und warum wurden Ihre Erwartungen an die Mitgliedschaft nicht erfüllt?
Konzepte, die auf eine frühzeitige Beteiligung der Bürger setzen, wurden nicht mitgetragen. Das Potenzial der vielen Kritischen und Kreativen in der SPD wird durch die "hallesche Organisationsstruktur" gegenwärtig nicht ausgeschöpft.

Welche Vorteile hat die politische Arbeit ohne die Bindung an eine Partei?
Als Parteiloser kann ich schneller auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und bin nicht abhängig.

Gibt es auch Nachteile?
Das Mobilisierungspotenzial einer Partei fehlt am Anfang.

Die Differenzen zwischen Ihnen, Frau Dagmar Szabados und Herrn Egbert Geier werden seit geraumer Zeit in den Medien der Stadt diskutiert. Welchen Einfluss hat die Ankündigung der Kandidatur auf die Differenzen?
Im Kern geht es um die Arbeitsweise einer modernen Verwaltung. Für mich muss Verwaltungshandeln rechtmäßig und für den Bürger transparent sein. Die Öffentlichkeit hat Anspruch auf vollständige, richtige und unverzügliche Informationen. In wichtigen Fragen entscheidet der Stadtrat. Die Beschlüsse des Stadtrates hat die Verwaltung auszuführen.

Die Ankündigung der Kandidatur ändert nichts an dieser Auffassung.

Es gab, neben öffentlichen Diskussion, sogar eine Petition zum Streit in der Verwaltung (openpetition.de/petition/online/weckruf-arbeit-statt-laehmender-streit). Ist Ihnen bewusst gewesen, welchen Einfluss diese Differenzen auf das Image der Verwaltung haben?
Ja. Und ich frage mich, warum nicht über das Ergebnis der Petition diskutiert wurde.

Zu den Bürgern

Sie arbeiten seit 1979 im öffentlichen Dienst (Hochschulen und in kommunalen Ämtern), wie nah sind Sie durch Ihre Arbeit noch am Bürger?
Gespräche mit Bürgern bilden den Schwerpunkt meiner Arbeit, seit jeher. Außerdem bewerte ich Sachverhalte regelmäßig erst, wenn ich mir vor Ort selbst ein Bild gemacht habe.

Ihr Wahlprogramm betont immer wieder die stärkere Einbindung der Bürger in die politischen Prozesse. Wo sind aus Ihrer Sicht Möglichkeiten, die Bürgerbeteiligung schnell zu verbessern und nachhaltig zu gestalten?
Durch Einwohnerversammlungen, Einwohneranträge, Bürgerbegehren und einer Verwaltung, die für den Bürger kooperativer Partner ist.

Sie nutzen soziale Plattformen (Facebook und Twitter) für die Kommunikation. Welche Möglichkeiten bieten diese Plattformen aus Sicht der Politik für Sie?
Die schnelle Vermittlung von Informationen ist mir wichtig. Über soziale Netzwerke hat zudem jeder die Möglichkeit, meine Arbeit zu begleiten und Anregungen zu geben.

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