„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview Antje Schwarz (parteilos)

Zum Wahlkampf

Antje Schwarz

Läuft der Wahlkampf aus Ihrer Sicht, die Ergebnisse der Umfrage des MDRs zugrundegelegt, wie erwartet?

Ja, ich bin erfreut, dass zahlreiche Bürger sich vertreten fühlen - auch wenn der Kampf gegen die Parteikandidaten sich wie der Kampf des David gegen Goliath anfühlt.

Wie groß ist der Aufwand als parteilose Kandidatin, einen Wahlkampf durchzuführen?

Der Aufwand ist sehr groß. Bürgeranfragen beantworte ich persönlich. Die Foren müssen vorbereitet und besucht werden. Plakate müssen entworfen und angebracht werden.
Bei einem so kleinen Team von 4 Personen ist das für alle eine ziemliche Belastung. Darüber hinaus führe ich Gespräche mit einzelnen Bürgern und will wissen, mit welchen Problemen sie gerade zu kämpfen haben.

Ist der Wahlkampf in Halle ein Personen- oder Parteienwahlkampf?

Der Wahlkampf ist in erster Linie ein Parteienwahlkampf. Die bei Infratest genannten Kandidaten mit den meisten Stimmen sind keine freien Kandidaten. Herr Wiegand ist erst im letzten Jahr aus der SPD ausgeschieden.

Zur Stadt

Welcher der bisherigen Oberbürgermeister der Stadt Halle hat seine Arbeit aus Ihrer Sicht bisher am besten gemacht?

Bei allen Hallensern ist OB Rauen wohl der beliebteste Stadtvater seit der Wende.

Und warum?

Dies liegt an den großen Erwartungen und der Euphorie nach der Wende. Alle hofften jetzt auf bessere Zeiten. Diese sind auch gekommen, aber das Leben ist für viele auch schwieriger geworden - und das zeigte sich dann in der Folgezeit.

Wie beurteilen Sie die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und wo kann man noch Optimierungen durchführen?

Die Stadt sollte sich als Stadt der Wissenschaften und der Kunst weiter profilieren und ihre Stärken Im Internet aber auch auf Städtetagen u.ä. weiter hervorheben. Im Internet sollten hallesche Seiten, auf denen ausländische Mitbürger diskriminiert werden, verboten werden. Zweisprachigkeit soll in öffentlichen Bereichen Einzug halten.
Wir alle müssen für eine gastfreundliche und aufgeschlossene Atmosphäre sorgen. Jeder einzelne Bürger kann mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft für den guten Ruf unserer Stadt einstehen. Die unbewohnten, ruinenhaften Häuser in den Eingangsstraßen müssen endlich saniert oder entfernt werden.

Die finanzielle Situation der Stadt erfordert große Einsparungen in den Ausgaben. An welchen Stellen darf aus Ihrer Sicht nicht gespart werden?

Nicht eingespart werden darf aus meiner Sicht, die Zuwendungen für Vereine, die sich der Verbesserung der Lebensqualität durch sinnvolle Freizeitbeschäftigung für Kinder und Erwachsene insbesondere in den Stadtteilen Silberhöhe und Halle-Neustadt verschrieben haben. Begegnungsstätten sind besonders in sozial schwachen Gebieten zu fördern, um den Menschen eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen. - Weg von der Straße!Ebenso darf bei Schulen und den Kindereinrichtungen nicht gespart werden. Sowohl Brandschutz als auch Inklusion sind hier zu beachten.

Wo bestehen Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen?

Beim Verkauf von Grundstücken und Immobilien müssen angemessene Preise eingefordert werden.

Zur Politik

Sie sind politisch in Halle noch nicht in Erscheinung getreten, warum dann gleich der "große Sprung" Richtung Oberbürgermeisteramt?

Ende der 80er Jahre habe ich für die Liberalen kandidiert. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich mich mehr meiner Familie gewidmet und einen Beruf gewählt, in dem ich zugunsten der Familie zeitlich variabel bin. Jetzt ist auch unsere jüngste Tochter erwachsen und ich kann mein Leben neu einrichten. Ich habe Leitungserfahrung. Die Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt war eine folgerichtige Entscheidung.

Welche Ziele wollen Sie erreichen, wenn Sie in das Amt der Oberbürgermeisterin gewählt werden?

Zuvorderst werde ich mich um die Finanzen unserer Stadt kümmern und beim Land vorsprechen. Für Leistungen, die uns vom Land abgefordert werden, benötigen wir natürlich auch die entsprechende finanzielle Ausstattung.
Dringend benötigen wir für unsere qualifizierten Hallenser in Halle und Umgebung gut bezahlte Arbeitsplätze. Deshalb müssen wir mit den Wissenschaftsinstitutionen auch Lösungen für Neuansiedlungen klein- und mittelständischer Unternehmen finden.
Auch für den "Starpark" müssen noch weitere Investoren gefunden werden, damit sich die vielen städtischen Ausgaben doch noch lohnen.
Der Handel in der Innenstadt klagt wegen zu geringer Umsätze. Hier müssen die richtigen Ansätze gefunden werden. Auch das Parkuhrenmanagement muss in diesem Zusammenhang überprüft werden.
Ausschreibungsvergaben müssen transparenter sein. Ansässige Firmen sollen Aufträge durch die Stadt erhalten- und diese auch termingerecht bezahlt bekommen.

Sie sind parteilos. Stehen Sie einer Partei nahe? Welche Gründe haben Sie dazu bewogen, keiner Partei beizutreten?

Wie ich schon sagte, war ich früher bei den Liberalen. Allerdings fühlten wir uns zu Wendezeiten von der FDP ziemlich vereinnahmt. Darüber hinaus hatte ich ein Kleinkind zu versorgen. So beschloss ich, aus dieser Partei auszutreten. Ich habe zwar durchaus noch den freiheitlichen, den liberalen Gedanken in mir, fühle mich aber keiner Partei besonders verpflichtet.

Zu den Bürgern

Bleibt neben der kommenden politischen Arbeit, sollten Sie für das Amt gewählt werden, noch Zeit für die Anliegen der Bürger?

Es ist mir ein besonderes Anliegen für die Menschen da zu sein, die mich gewählt haben. Selbstverständlich werde ich mir die Zeit nehmen, die Anliegen der Bürger nicht nur anzuhören, sondern die Umsetzung der Zusagen auch in Maßnahmeplänen zu terminieren und zu kontrollieren.

Sie nutzen auch Facebook aktuell für die Werbung für Ihre Kandidatur, wollen Sie diese Kommunikation auch nach der Wahl fortsetzen?

Facebook ist eine Variante, um auf Menschen zuzugehen. Da ich mich hier noch in den Anfängen befinde, werde ich diese Kommunikation weiter ausbauen. Wichtiger ist aber aus meiner Sicht noch der persönliche Kontakt mit dem Bürger und der Bürgerin.

Welche Möglichkeiten bieten Plattformen wie Facebook aus Ihrer Sicht für die Politik?

Facebook bietet die Möglichkeit der schnellsten Weitergabe von Informationen und der Positionierung und kann noch eine wesentlich größere Bedeutung erlangen, als es heut noch der Fall ist.

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