„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview: Uwe-Volkmar Köck - Die Linke

Uwe-Volkmar Köck - Die Linke

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich bin 1953 im heutigen Sachsen-Anhalt geboren und habe seither die meiste Zeit hier verbracht.

Welche Ausbildung haben Sie?

Abschluss als Diplom-Biologe und Dr. rer. nat.

Was ist Ihr Antrieb, politisch aktiv zu sein?

Ich bin in einem politisch aufgeschlossenen familiären Umfeld groß geworden. Deshalb war es für mich selbstverständlich bereits in der Schulzeit in den verschiedenen Schülervertretungen mitzuwirken. Passiv der gesellschaftlichen Entwicklung zuzuschauen - das kann ich nicht. Deshalb mische ich mich ein.

Was glauben Sie, ist das dringendste Problem, das unser Bundesland heutzutage betrifft und wie kann es gelöst werden?

Das gravierendste Problem ist nach wie vor der Wegzug der jungen Generation. Eine einzelne goldene Lösung gibt es nicht. Vermag die Jugend ihre Entwicklungschancen im Land zu realisieren, kann sie ohne Studiengebühren studieren, findet sie im Anschluss an Lehre und Studium für sich und den Lebenspartner einen interessanten Job mit einem dem Westren vergleichbaren Lohn, dann die Jugend hier.

Die Politik ist gefordert, dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Diese Forderung geht ganz leicht von den Lippen, ist aber so schwer zu machen. 

Wie beurteilen Sie die Aktion "Sachsen-Anhalt - Land der Frühaufsteher" und glauben Sie, dass diese Kampagne positive Effekte gehabt hat?

Die Werbebotschaft erschließt sich mir bis heute nicht. Das sie zu spöttischen Kommentaren anregt, bleibt sie im Gedächtnis haften. Ob daraus verhaltensrelevanten Beeinflussen resultieren vermag ich nicht zu beurteilen. Von vergleichbaren Kampagnen anderer Städte und Bundesländer ist bei mir nichts haften geblieben.

Was kann man gegen die niedrige Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt machen?

Wenn der Wähler den Eindruck hat, dass mit seiner Stimme etwas bewegt werden kann, geht er zur Wahl. Deshalb sollten Elemente direkter Demokratie so häufig wie möglich für die Entscheidungsfindung herangezogen vor. Ideal wäre es, wenn bei jeder Wahl parallel über ein bis zwei entscheidungsreife Angelegenheiten der Kommune ein Bürgerentscheid durchgeführt werden würde. Entscheidend scheint mir dabei zu ein, dass von vornherein klar ist, das Votum auch akzeptiert und das Ergebnis vollzogen wird. Trendabstimmungen, die dann womöglich vom Rat entgegen des Mehrheitstrends entschieden werden, sind tödlich für die Demokratie und steigern nur noch den Frust.

Wie schätzen Sie wirtschaftliche Lage Sachsen-Anhalts ein?

Wenn man den medialen Meldungen glauben könne, müsste die Lage besser sein, als von den Unternehmen zugegeben.

Welches aktuell im Land laufende Projekt würden Sie gerne beschleunigt sehen und warum gerade dieses?

Aus oppositioneller Sicht gibt es kein von der Landesregierung angestoßenes Projekt, das vorbehaltslos förderwürdig ist.

Welches ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel, das Sie umsetzen wollen, wenn Sie ein Mandat für den Landtag erhalten?

Meine langjährigen kommunal- und landespolitischen Erfahrungen nutzbringend in die Arbeit der Fraktion einzubringen. Das gilt insbesondere dann, wenn DIE LINKE wie angestrebt Regierungsverantwortung übernehmen dürfte.

Hat sich Ihr Blick auf das bürgerliche Engagement nach den Ereignissen um den Bau des Stuttgarter Bahnhofes ("Stuttgart 21") geändert?

Ich finde mich ausdrücklich bestätigt.

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