„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview: Mario Kremling - SPD

Mario Kremling - SPD

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Schon immer.

Welche Ausbildung haben Sie?

  • Abitur 1993
  • Dipl.-Geograph 2003
  • Dr. rer. nat. 2010

Was ist Ihr Antrieb, politisch aktiv zu sein?

Unsere Stadt Halle an der Saale ist eine sehr lebenswerte Stadt, deren Interessen auf Landesebene jedoch ständig verteidigt werden müssen. Deshalb finde ich, die Hallenserinnen und Hallenser müssen im Parlament mit starker Stimme vertreten sein. Das heißt für mich:

  • Sachkompetenz,
  • Durchsetzungsfähigkeit und
  • einen langen Atem.

Mein Antrieb: Ich möchte Halle eine starke Stimme geben!

Was glauben Sie, ist das dringendste Problem, das unser Bundesland heutzutage betrifft und wie kann es gelöst werden?

Trotz Rückgang der Arbeitslosigkeit bleibt die Schaffung weiterer, fair bezahlter Arbeitsplätze die dringendste politische Herausforderung. Eine stärkere Berufsorientierung in der Schule, fairer Lohn für gute Arbeit, alternative Beschäftigungsformen für Ältere sowie ein sozialer Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose sind zum Beispiel geeignete Maßnahmen.

Die demographische Entwicklung und die daraus resultierenden Anpassungsschwierigkeiten in Wirtschaft, Gesellschaft, gebauter Umwelt und Infrastruktur sind die gravierendsten Probleme, die uns mittel- und langfristig beschäftigen.

Wie beurteilen Sie die Aktion "Sachsen-Anhalt - Land der Frühaufsteher" und glauben Sie, dass diese Kampagne positive Effekte gehabt hat?

Ich glaube nicht, dass die Kampage nennenswerte positive Effekte gehabt hat.

Was kann man gegen die niedrige Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt machen?

Die demokratischen Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten müssen deutlich sagen, wofür sie stehen und wofür nicht. Dazu bedarf es der Unterstützung der Medien, die fair und gleichberechtigt berichten sollen, damit sich die Bürgerinnen und Bürger auch eine Meinung bilden können. Dies gilt nicht nur für politische Inhalte, sondern auch für das Verständnis dafür, wie politische Entscheidungen zu Stande kommen. Das wäre ein Beitrag dazu, extremistische antidemokratische Parteien aus dem Landtag herauszuhalten.

Wie schätzen Sie wirtschaftliche Lage Sachsen-Anhalts ein?

Die wirtschaftliche Lage ist immer im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktlage zu betrachten! Denn: Die Wirtschaft ist für die Menschen da - und nicht umgekehrt. Es bleibt viel zu tun, siehe meine Antworten auf Frage 4. Wir müssen bei der Reindustrialisierung weitere Schritte vorankommen, weil wir mit Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor allein keine selbsttragende Wirtschaftsstruktur hinbekommen.

Welches aktuell im Land laufende Projekt würden Sie gerne beschleunigt sehen und warum gerade dieses?

Halle und die Region brauchen das "Geistes- und sozialwissenschaftliche Zentrum", damit sich in stadtstrukturell bedeutsamer Lage tatsächlich ein "Steintor-Campus" entwickeln kann. Der neue Campus ist deswegen so bedeutsam, weil er die bisher in der Stadt verstreuten Institute an einem zentralen Standort zusammenführt. Die Studentinnen und Studenten dieser Fachrichtungen sollen die gleichen guten Bedingungen fürs Studium bekommen wie die Naturwissenschaftler auf dem Heide-Campus! Überdies würde der Steintor-Campus ein lange vernachlässigtes Gebiet beleben und nachhaltig aufwerten. Dazu gehört dann auch die Lösung der Verkehrsprobleme rund ums Steintor.

Welches ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel, das Sie umsetzen wollen, wenn Sie ein Mandat für den Landtag erhalten?

Ich möchte meine Kontakte in die hallesche Stadtgesellschaft vertiefen und dazu nutzen, um an Problemlösungen in der Stadt konkret mitzuarbeiten. Das ist für mich neben der direkten Arbeit im Parlament die wichtigste Aufgabe eines Abgeordneten und das Selbstverständnis der SPD als Volkspartei.

Hat sich Ihr Blick auf das bürgerliche Engagement nach den Ereignissen um den Bau des Stuttgarter Bahnhofes ("Stuttgart 21") geändert?

Trotz der vorangegangenen Beteiligungs- und Einspruchmöglichkeiten hat ein Großprojekt mit dem Baustart massive Proteste ausgelöst. Das Bahnhofsprojekt ist ja nicht "vom Himmel gefallen"! Deswegen richtet sich mein Blick vor allem auf die Frage, wie bei der Planung solcher Großprojekte künftig vorgegangen wird. Offenbar sind die gegebenen demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten nicht ausreichend oder nicht mehr zeitgemäß.

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