„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview: Katja Pähle - SPD

Katja Pähle - SPD

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich bin in Wippra (Südharz) geboren und in Hettstedt aufgewachsen. Seit meinem Studium lebe ich in Halle (Saale).

Welche Ausbildung haben Sie?

Ich habe Soziologie an der Martin-Luther-Universität studiert.

Was ist Ihr Antrieb, politisch aktiv zu sein?

Mit neuen Ideen und Engagement kann man viel bewegen. In unserem Bundesland ist noch lange nicht alles so, dass man sich beruhigt zurücklehnen könnte.
Was einem nicht passt wird sich nur ändern, wenn man selbst mit anpackt.

Was glauben Sie, ist das dringendste Problem, das unser Bundesland heutzutage betrifft und wie kann es gelöst werden?

Das dringendste Problem ist die hohe Arbeitslosigkeit einhergehend mit der direkten Folge des Wegzugs vieler jungen, gut ausgebildete Menschen.
Zur Lösung müssen mehrere Schritte unternommen werden: Bessere Bildung für alle Kinder, das bedeutet Ganztagsanspruch auf einen Kindergartenplatz, geht weiter mit einem längeren gemeinsamen Lernen in den Schulen und endet nicht bei einem gebührenfreien Studium.
Ein weiterer Schritt ist die Wirtschaftsförderung, die effizient und effektiv das vorhandene Geld einsetzt. Ich bin der Meinung, dass die Einführung von Mindestlöhnen von entscheidender Bedeutung ist. Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Halle soviel verdienen, wie in Stuttgart, werden sich die meisten fürs hierbleiben entscheiden. Nur dann hat unser Land eine Zukunft.

Wie beurteilen Sie die Aktion "Sachsen-Anhalt - Land der Frühaufsteher" und glauben Sie, dass diese Kampagne positive Effekte gehabt hat?

Jedes Land braucht einen guten Slogan. Land der Frühaufsteher ist kein guter.
Viele Sachsen-Anhalter stehen früher auf, weil sie lange Arbeitswege in Kauf nehmen müssen. Das kann kein guter Grund sein. Sachsen Anhalt hat viel mehr, mit dem es sich Darstellen kann. Geschichte, Musik, große Persönlichkeiten. Die Reformation mit Martin Luther, die Musik Georg Friedrich Händels, Unternehmergeist eines Hugo Junkers und vieles mehr.
Vielleicht passt das Motto: Sachsen-Anhalt - wir schreiben Geschichte besser, als "Wir stehen früher auf".

Was kann man gegen die niedrige Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt machen?

Hier sind alle gefragt, um wieder politisches Interesse zu wecken. Politiker sind ein Teil davon und sie können hier einiges beitragen, um mit den Bürgerinnen und Bürgern im Gespräch zu bleiben. Sie müssen über politische Entscheidungen informieren und sich immer wieder eine Rückkopplung für das eigene Tun holen. Auch die Schulen sind gefragt.
Politik ist kein geschlossener Kreis, sondern lebt vom Mitmachen. Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben sich über ihre Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren und diese auch auszuüben. Nur wer als Kind und Jugendlicher die Erfahrung macht, dass die eigene Stimme Gewicht hat, wird sich auch an Wahlen beteiligen.

Wie schätzen Sie wirtschaftliche Lage Sachsen-Anhalts ein?

Ein Blick auf die Arbeitslosenzahlen sagt mir, dass sie nicht gut sein kann. Trotzdem habe ich Respekt vor jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer in Sachsen Anhalt, der oder die Jobs schaffen. Arbeitslosigkeit ist die eine Seite, die guten Hochschulen, Schwerpunkte in zukunftsträchtigen Branchen wie Solar, Biotechnologie u.a. sind einige Wege für eine Besserung. Wir müssen mehr auf die Menschen und ihre Ideen setzen und sie dabei unterstützen, nicht immer mit Geld, aber unterstützen.

Welches aktuell im Land laufende Projekt würden Sie gerne beschleunigt sehen und warum gerade dieses?

Bis zum Jahr 2016 sollen in Sachsen-Anhalt alle Kindergärten und Schulen saniert werden. Ich will mich dafür einsetzen, dass wir dieses ehrgeizige Ziel erreichen. Kinder brauchen eine schöne Umgebung, damit sie sich wohlfühlen und sich dann auf Spielen und Lernen konzentrieren können. Mit dieser Investition - in Gebäude und Köpfe - sichern wir die Zukunft unseres Bundeslandes.

Welches ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel, das Sie umsetzen wollen, wenn Sie ein Mandat für den Landtag erhalten?

Zum einen das Projekt der Schul- und Kita-Sanierung und zum anderen möchte ich soviel wie möglich für die Hallenserinnen und Hallenser vor Ort erreichbar sein. Ich möchte mit vielen Menschen sprechen um meinen Beitrag zu leisten, dass Politik wieder näher an die Menschen rückt.

Hat sich Ihr Blick auf das bürgerliche Engagement nach den Ereignissen um den Bau des Stuttgarter Bahnhofes ("Stuttgart 21") geändert?

Nein, nicht wirklich. Für mich hat bürgerschaftliches Engagement schon immer einen hohen Stellenwert. Die Ereignisse in Stuttgart zeigen mir wie wichtig es ist, als Politiker mit Bürgerinnen und Bürgern im Gespräch zu bleiben, sie, mit ihren Fragen und Bedenken ernst zu nehmen und gemeinsam nach machbaren Lösungen zu suchen.

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