„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview: Bernhard Bönisch - CDU

Bernhard Bönisch - CDU

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich bin 1953 in Halle geboren, in Landsberg (im Saalkreis) aufgewachsen, und ich habe meinen Hauptwohnsitz seit 1975 in Halle.

Welche Ausbildung haben Sie?

  • 1972 Abitur (Thomas-Müntzer-Schule),
  • 1979 Diplom in Mathematik (Martin-Luther-Universität),
  • 2000 Diplom-Krankenhausbetriebswirt VKD (dreijähriger, berufsbegleitender Sonderstudiengang in Osnabrück)

Was ist Ihr Antrieb, politisch aktiv zu sein?

Von Karl Popper (österr. Philosoph, 1902–1994) stammt der Satz "Alle Gesellschaften, die den Himmel auf Erden versprochen haben, haben eine Hölle hinterlassen." Das ist wohl wahr; und es wird schon wieder zumindest das Blaue vom Himmel versprochen.
Ich möchte dazu beitragen, unser Zusammenleben vernünftig zu gestalten.

Was glauben Sie, ist das dringendste Problem, das unser Bundesland heutzutage betrifft und wie kann es gelöst werden?

Unser größtes Problem ist die hohe Arbeitslosigkeit, auch wenn wir die Rote Laterne längst abgegeben haben. Die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und die Schaffung neuer zu unterstützen, ist für mich im Moment die wichtigste Aufgabe der Politik.

Zu diesem Zweck müssen wir die Rahmenbedingungen für Unternehmen weiter verbessern. Wichtig dafür sind z. B. gut ausgebildete Arbeitskräfte, attraktive Fördermöglichkeiten jeglicher Art und eine intakte Verkehrsinfrastruktur. Und wir müssen die Unternehmen dabei unterstützen, die Arbeitswelt noch familienfreundlicher gestalten und faire Löhne zahlen zu können. Denn all das gehört dazu, Unternehmen und die gut ausgebildeten Fachleute im Lande zu halten.
Außerdem denke ich, dass unser Land noch immer unterbewertet wird. Wir müssen also weiter am Image arbeiten, und da sind durchaus nicht nur die Politiker gefragt.

Wie beurteilen Sie die Aktion "Sachsen-Anhalt - Land der Frühaufsteher" und glauben Sie, dass diese Kampagne positive Effekte gehabt hat?

Sachsen-Anhalt hat mal etwas Aufsehen erregt; das war sicher nicht schlecht.
Ich selbst bin eher ein Nachtmensch.

Was kann man gegen die niedrige Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt machen?

Die Wahlbeteiligung ist von Stimmbezirk zu Stimmbezirk verschieden, und auch von Wahl zu Wahl. Und auch die Motive der einzelnen Nicht-Wähler sind sehr unterschiedlich.
Die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen in den ostdeutschen Ländern ist immer wesentlich niedriger als in den Stadtstaaten, und dort niedriger als in den westdeutschen Flächenländern. Bei Kommunalwahlen ist sie überall niedriger als bei Bundestagswahlen.
Die Wahlbeteiligung geht aber tatsächlich bundesweit tendenziell zurück. Das liegt am zunehmend schlechten Image der Politik und der Politiker, sagen die Medien.
Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt lag die Wahlbeteiligung 1990 bei 65,1%, 1994 bei 54,8%, 1998 bei 71,5%, 2002 bei 56,5% und 2006 bei 44,4%. Die Politiker sind also ständig besser und schlechter geworden? Das glaube ich nicht. Und auch wenn ich mich ständig bemühe, die Menschen für Politik zu interessieren, nicht nur im Wahlkampf, weiß ich, ehrlich gesagt, keine Antwort auf diese Frage. Spekulationen und Appelle erspare ich uns.

Wie schätzen Sie wirtschaftliche Lage Sachsen-Anhalts ein?

Zunehmend besser, aber noch nicht gut genug. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch längst nicht am Ziel.

Welches aktuell im Land laufende Projekt würden Sie gerne beschleunigt sehen und warum gerade dieses?

Den Bau der A 143, der westlichen Umgehung unserer Stadt, würde ich gern beschleunigt sehen. Das würde nicht nur die Hallenser direkt entlasten, sondern auch wesentlich dazu beitragen, die Umweltzone zu vermeiden.

Welches ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel, das Sie umsetzen wollen, wenn Sie ein Mandat für den Landtag erhalten?

Ich werde die halleschen Interessen vertreten, insbesondere im Bereich der Finanzzuweisungen, der Stärkung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes, der weiteren Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und der Sicherung des Sport- und Kulturbetriebes.

Hat sich Ihr Blick auf das bürgerliche Engagement nach den Ereignissen um den Bau des Stuttgarter Bahnhofes ("Stuttgart 21") geändert?

Nein. "Stuttgart 21" hat qualitativ nichts Neues gehabt, nur quantitativ. Mir persönlich war frühzeitige Bürgerbeteiligung bei bedeutsamen Themen schon immer wichtig.

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