„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Interview: Beate Fleischer - FDP

Beate Fleischer - FDP

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich bin 1963 in der Händelstadt Halle/S. geboren und lebe bis heute hier. Also bin ich eine gebürtige Hallenserin.

Welche Ausbildung haben Sie?

Ich habe an der Handelshochschule in Leipzig mein Diplom als Diplomwirtschaftswissenschaftlerin erworben.

Was ist Ihr Antrieb, politisch aktiv zu sein?

Wenn man für das Morgen und die Zukunft unserer Kinder aktiv sein will, muss man bereits heute dafür etwas tun!

Was glauben Sie, ist das dringendste Problem, das unser Bundesland heutzutage betrifft und wie kann es gelöst werden?

Ein Land ist so stark wie seine Wirtschaft und seine Bildungsmöglichkeiten. Deshalb ist es von enormer Wichtigkeit unsere Wirtschaft zu stärken, Unternehmen anzusiedeln und bestens ausgebildeten Fachkräften und Wissenschaftlern eine Heimat zu geben.
Dafür ist es notwendig die Ansiedlungsbedingungen, insbesondere für den Mittelstand, zu optimieren und junge Fachkräfte sowie Wissenschaftler selbst auszubilden.

Wie beurteilen Sie die Aktion "Sachsen-Anhalt - Land der Frühaufsteher" und glauben Sie, dass diese Kampagne positive Effekte gehabt hat?

Natürlich glaube ich das, denn viele Bürger aus anderen Ländern wurden doch neugierig und haben nachgefragt. Dabei lernten sie unser Land kennen und konnten Dinge erfahren, welche sie vorher nicht wussten.

Ich glaube auch, dass dies ein Grund dafür ist, dass die Besucherzahlen im Land angestiegen sind und zum Beispiel auch die Studentenzahlen an der Martin Luther Universität im Jahr 2010 ein Rekordhoch zu verzeichnen hatte.

Was kann man gegen die niedrige Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt machen?

Ich glaube, das ist nicht nur ein Problem von Sachsen-Anhalt ist. Bundesweit haben wir diesen Trend zu verzeichnen. Deshalb müssen wir uns nicht nur hier in Sachsen-Anhalt sondern bundesweit Gedanken darüber machen, denn Bundespolitik hat genau so viel Einfluss auf die Länder wie umgekehrt.

Die Politik und auch die Politiker müssen wieder glaubwürdiger werden und die mündigen Bürger müssen die Politik und deren Entscheidungen besser verstehen und nachvollziehen können. Die Bürger sind stärker in Entscheidungen einzubeziehen, nur dann sind sie auch an deren Umsetzung interessiert. Parlamentarisches bzw. spitzfindiges Geplänkel stößt dabei nur ab.

Wie schätzen Sie wirtschaftliche Lage Sachsen-Anhalts ein?

Hier können wir noch nicht zufrieden sein, denn es gilt noch viel zu tun. Besonderen Schwerpunkt der wirtschaftlichen Weiterentwicklung sollten wir auf den Mittelstand legen, denn hier werden die meisten Arbeitsplätze geschaffen und die größten Wachstumszuwächse verzeichnet. Deshalb sollten wir in Sachsen Anhalt für den Mittelstand noch bessere Ansiedlungsbedingungen schaffen. Das betrifft sowohl die Bereitstellung von spezifischen Förderinstrumenten und Krediten, aber auch die Beseitigung von bürokratischen Hemmnissen.

Welches aktuell im Land laufende Projekt würden Sie gerne beschleunigt sehen und warum gerade dieses?

Die Anbindung der A143 an die A14 ist schnellstens zu vollziehen. Nur so kann der Fernverkehr direkt fließen und muss nicht durch die Innenstadt von Halle geleitet werden. Dies wäre eine große Entlastung für die Stadt und würde die Luftreinheit wesentlich verbessern.

Welches ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel, das Sie umsetzen wollen, wenn Sie ein Mandat für den Landtag erhalten?

Mein wichtigstes Ziel ist die Stärkung der Innenstätte. Gerade durch eine falsche Politik der "Grünen Wiese" wurden in der Vergangenheit die Innenstädte wirtschaftlich geschwächt. Hiermit gilt es nun endlich Schluss zu machen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass unsere Innenstädte wieder mehr mit wirtschaftlichen, kulturellen und geistigen Leben aufwarten können, denn gerade diese Merkmale zeichnen eine Stadt aus und machen sie attraktiv und interessant.
Wir möchten keine "sterile" und "tote" Stadt, sondern Städte, in denen sich die gesamte Vielfalt unseres gesellschaftlichen Lebens widerspiegelt.

Hat sich Ihr Blick auf das bürgerliche Engagement nach den Ereignissen um den Bau des Stuttgarter Bahnhofes ("Stuttgart 21") geändert?

Nein, ich bin schon immer dafür gewesen, bei wichtigen Entscheidungen die Bürger bei der Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Nur so können diese auch die Entscheidung nachvollziehen und verstehen, ja sich sogar dafür mit zu engagieren. Über das Volk hinweg zu regieren und zu entscheiden bringt und brachte immer wieder Unstimmigkeiten und Proteste, so wie wir es derzeit in Stuttgart erleben.

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