„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Yvonne Winkler (MitBürger)

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Wir sind 1995 von Berlin nach Halle gezogen.

Auf welche Ausbildung blicken Sie zurück?

Ich habe in Erlangen Jura studiert und am Oberlandesgericht Nürnberg mein Referendariat absolviert.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Politisch war ich schon immer, wenn auch nicht parteipolitisch. Konkret zu den Mitbürgern kam ich, weil die mich gefragt haben, ob ich mir vorstellen könnte, bei ihnen mitzumachen.

Dies hat seine Ursache in meinem Engagement für die Bürgerinitiative ProPaulusPark. Die letzten eineinhalb Jahre in dieser BI haben mir gezeigt, dass man früher einschreiten muss, wenn man etwas bewirken will.

Was treibt Sie an?

Ich habe gesehen, dass in Halle die Interessen der Bürger nicht berücksichtigt werden, wenn es um größere Entscheidungen geht. Dass dies so nicht weitergehen kann, wird inzwischen auch von der Stadtverwaltung gesehen.

Mit der Bürgerbeteiligung zu ISEC 2025 findet sie neue Wege der Bürgerbeteiligung, die ich nur unterstützen kann. Ich sehe es als meine Aufgabe an, darauf zu sehen, dass die Bürgervorschläge bedacht und in die Planungen eingearbeitet werden, dass Bürgerbeteiligung nicht Makulatur bleibt.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Stadtratsmitglied vorgenommen?

Ich werde diesen Umbauprozess hin zur Bürgerbeteiligung kritisch begleiten. Außerdem werde ich meine Sachkenntnis, soweit erforderlich, einbringen.

Welche Perspektive und Rolle hat die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt?

Halle hat eine führende Rolle im südlichen Teil Sachsen-Anhalts. Sie muss darauf achten, konkurrenzfähig zu bleiben und nicht ihr kostbarstes Gut, die alte Universität und die gewachsene Kultur in der Konkurrenz zu Magdeburg zerschlagen zu lassen.

Und wie wollen Sie die Weiterentwicklung der Stadt unterstützen?

Indem ich diesen Umbauprozess begleite und indem ich mit verhindere, dass die Stadt kulturell- und bildungsmäßig kaputt gemacht wird, denn das wäre der Beginn des Endes von Halle. Einschnitte, die in diesem Bereich gemacht werden, reduzieren die weichen Standortfaktoren von Halle.

Das sind die, die diese Stadt liebens- und lebenswert machen, die die Menschen an Halle binden, die junge Menschen anziehen und die es jungen Familien ermöglichen, ihre Kinder gerne hier aufwachsen zu sehen. Eine Vielfalt im schulischen Angebot und in Kindergärten, in der Kinderbetreuung, Theater, Kleinkunst, Musik sind Voraussetzungen für diesen Reichtum. Es gilt ihn zu erhalten.

Was denken Sie über die von der Landesregierung geplanten Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich?

Ich halte diese Einschnitte für katastrophal und kurzsichtig. Auf mich macht es den Eindruck, als sollte Magdeburg mehr vom "Kulturkuchen" abbekommen. Dadurch werden gewachsene, alte Strukturen in Halle zerschlagen, obwohl die dadurch gewonnenen Einsparungen im Landeshaushalt marginal sind.

Wie sehen Sie die Zukunft Halle-Neustadts?

Halle-Neustadt ist sehr schön grün. Möglicherweise wird es weiter schrumpfen, weil die Bevölkerung aus diesem Bereich wegzieht. Möglicherweise wird es mit Heide-Süd zusammenwachsen, weil die verschiedenen Institute im Weinbergcampus weiter expandieren und deshalb weiterer Wohnraum geschaffen werden muss.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage, der Sommer steht vor der Tür: Welches ist ihr Lieblingsplatz in Halle?

Von den Stadtplätzen ist mir der Universitätsplatz der liebste, ansonsten mein Garten.

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