„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Melanie Ranft (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich lebe seit meiner Geburt in Sachsen-Anhalt, mit zweijähriger Unterbrechung, die ich in London verbrachte.

Auf welche Ausbildung blicken Sie zurück?

In London und Halle studierte ich Philosophie und Germanistik mit Abschluss Magistra Artium. Aktuell arbeite ich als Bildungsmanagerin mit dem Schwerpunkt der Verzahnung von Bildung im frühkindlichen und schulischen Bereich.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Eigentlich fing bei mir alles mit politischem Interesse und mit dem Engagement in schulischen und universitären Gremien an. Mein aktiver Einstieg in die Politik begann mit dem Parteieintritt bei BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 2011.

In diesem Jahr fühlte ich mich von der schwarz-gelben Regierung so richtig veralbert. Wurde uns Bürgerinnen und Bürger bis dahin immer wieder erläutert, dass es ohne Atomstrom nicht geht, so hieß es nun plötzlich nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima aus dem Mund der Kanzlerin "Atomkraft, nein Danke!". Meine eigene Leichtgläubigkeit hat mich nachdenklich gemacht. Obwohl mir besonders wegen meiner ostdeutschen Sozialisation die Bindung an eine politische Partei nicht leicht fiel, bin ich glücklich bei BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN eine politische Heimat gefunden zu haben.

Seit 2012 bin ich Beisitzerin im Vorstand des grünen Stadtverbandes, Sprecherin der Landesfachgruppe Arbeitsmarkt-, Gesundheits- und Sozialpolitik und ich unterstütze die grünen Stadträte als sachkundige Einwohnerin im Sportausschuss.

Was treibt Sie an?

Meine berufliche Tätigkeit, mein Ehrenamt und meine Familie fordern mich heraus und treiben mich gleichzeitig an. Und natürlich die Stadt, mit ihren Menschen, Räumen und Möglichkeiten.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Stadtratsmitglied vorgenommen?

Als Bildungsmanagerin sehe ich einen Schwerpunkt in einer engen Verzahnung von Bildungsangeboten wie Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Studium, Weiterbildung u.a.

Ich möchte mich dafür einsetzen, dass in Halle aufeinander abgestimmtes Lernen besser möglich ist. Erfolgreiche Bildungsbiografien sollen für alle Bürgerinnen und Bürger jeglichen Alters erfahrbar sein, denn Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Gerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben. Bildung ist ohne kulturelle und auch sportliche Angebote undenkbar.

Hier bedarf es einer Ausgewogenheit zwischen den Angeboten der sogenannten freien kulturellen Szene, der Hochkultur und auch zwischen dem Spitzen- und dem Breitensport.

Welche Perspektive und Rolle hat die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt?

Für mich ist Halle die schönste und grünste Stadt in Sachsen-Anhalt. Wir sind reich beschenkt mit historischem und kulturellem Erbe und viel Natur. Ich unterstütze die Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig und dem Saalekreis in unterschiedlichen Bereichen zum Vorteil der gesamten Region.

Und wie wollen Sie die Weiterentwicklung der Stadt unterstützen?

Beteiligungsmöglichkeiten von Bürgerinnen und Bürgern müssen innerhalb von Gestaltungsabläufen verstärkt in den Blick genommen. Es gilt Transparenz über mögliche Beteiligungen zu schaffen. Weiterentwicklung muss gleichzeitig transparent und nachhaltig gedacht werden. Folgen für Mensch und Umwelt müssen genau diskutiert und abgewogen werden.

Meines Erachtens muss die Arbeit von Vereinen und Initiativen im sozialen Bereich, besonders in der Kinder- und Jugendhilfe, weiter anerkannt und gefördert werden. 

Was denken Sie über die von der Landesregierung geplanten Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich?

Das vorgelegte Strukturkonzept des Wissenschaftsministers erachte ich als rückwärtsgewandt und nicht akzeptabel. Ich setze mich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der halleschen Uniklinik ein.

Gerade für den Hochschulstandort Halle bedarf es einer zukunftsfesten Hochschulstruktur, welche in einem gemeinsamen Prozess mit den Studierenden, den Personalvertretungen und mit den ParlamentarierInnen diskutiert und bewertet wird. Im Bereich der allgemeinbildenden Schulen stellt sich die Frage, wie Qualität aufrecht gehalten werden kann, trotz fehlender Neueinstellungen bei LehrerInnen und weiterem pädagogischen Personal und den auslaufenden Förderprogrammen zur Schulsozialarbeit. Im Bereich der frühkindlichen Bildung favorisiere ich weiterhin eine Erhöhung des Betreuungsschlüssels. 

 

Die jüngsten Sparbeschlüsse von  Landesregierung und Landtag werden der kulturellen Vielfalt Halles Schaden zufügen. Noch laufen die Verhandlungen und Abstimmungen zu einem langfristigen Finanzierungskonzept der Theater, Oper und Orchester GmbH, doch wird wohl ein Stellenabbau unvermeidlich sein. Die Stadt wird die kurzsichtige Sparpolitik des Landes nicht langfristig kompensieren können. Dennoch werde ich werde mich dafür einsetzen das Staatsorchester als A-Orchester zu erhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft Halle-Neustadts?

Halle-Neustadt ist ein Stadtteil für SeniorInnen und Familien. Altersgerechtes und barrierefreies Wohnen ist hier für alle Generationen möglich. Es muss gelingen noch mehr Familien und damit noch mehr Wirtschaftkraft nach Halle-Neustadt zu holen. Die sogenannte alt-neustädter Generation braucht NachfolgerInnen.

Halle-Neustadt ist auch ein Stadtteil mit hoher Alters- und Kinderarmut. Hier bedarf es gezielter Handlungsoptionen der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit in Projekten und in Zentren für Familien- und Jugendarbeit. Die ehemaligen Jugendklubs bitten hier gute Anlaufmöglichkeiten, die es zu erhalten und auszubauen gilt. In baulicher Hinsicht muss in Halle-Neustadt auch zukünftig zugepackt werden. Der Zustand der Scheiben und weiterer (fast) leerstehender Gebäude ist für niemanden hinnehmbar. Hier gilt es Ideen zu überprüfen und dann mit der Neugestaltung oder mit dem Abriss/ Rückbau zu beginnen.

Kulturell gesehen erlebt Halle-Neustadt mit dem 50jähirigen Jubiläum einen Frühlingshauch. Diesen ersten Aufschlag, die hier erarbeiteten Angebote gilt es zu verstetigen.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage, der Sommer steht vor der Tür: Welches ist ihr Lieblingsplatz in Halle?

Ein Liegestuhl im Peißnitzhaus.

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