„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Johannes Krause (SPD)

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Seit 1958.

Auf welche Ausbildung blicken Sie zurück?

Ich bin 55 Jahre alt und wohne seit 1997 in Halle. In Stolberg (Harz) habe ich die Schule besucht. 1978 habe ich dann erfolgreich meine Ausbildung zum BMSR-Techniker abgeschlossen und anschließend im Gipswerk in Rottleberode (Harz) gearbeitet. Dort wurde ich dort 1990 zum ersten Betriebsratsvorsitzenden gewählt. und arbeite seit 1991 beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

In den letzten 23 Jahren haben mir meine Kolleginnen und Kollegen immer wieder Ihr Vertrauen geschenkt und mich insgesamt siebenmal zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Ich bin Mitglied der Industriegewerkschaft "Bergbau, Chemie und Energie".

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

In der SPD bin ich seit 1993 Mitglied. Ein wesentlicher Grund waren das Wirken von Willy Brandt und Helmut Schmidt. Ich war von 1993 bis 1996 sachkundiger Einwohner im Kreistag des Burgenlandkreises und bin nun schon seit 1999 im Stadtrat von Halle aktiv.

Als Fraktionsvorsitzender leite ich die SPD Stadtratsfraktion seit sechs Jahren.

Als Stadtrat bin ich Vorsitzender des Bau- und Vergabeausschusses sowie des Ausschusses für Personalbedarfsplanung. Außerdem bin ich Mitglied im Hauptausschuss und im Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften. Die Arbeit ist sehr vielfältig und umfangreich. Ich habe in den letzten 15 Jahren Kommunalarbeit viel gelernt und es macht mir Spaß, auch wenn es mal stressig wird.

Was treibt Sie an?

Mir ist es wichtig, dass die Interessen der Bürgerinnen und Bürger von Halle im Stadtrat ordentlich vertreten werden. Ich möchte, dass die Stadtgesellschaft sozial und demokratisch miteinander umgeht, echte Chancengleichheit z.B. im Bereich Bildung besteht und sich unsere städtische Zivilgesellschaft aktiv gegen Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung positioniert.

Für mich ist die Kommune das Herz der Demokratie. Deshalb ist es mir auch immer wichtig, wenn Bürger ihre Anliegen an mich heran tragen. Eines meiner momentan wichtigsten Anliegen ist es, dass die Mieten in Halle bezahlbar bleiben.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Stadtratsmitglied vorgenommen?

Wir müssen es schaffen, dass Halle von den hohen Schulden herunterkommt, ohne dass hier alle "sogenannte" freiwilligen Leistung so gekürzt werden, dass alles was eine Stadt lebenswert macht, kaputt gespart wird. Das wird die wichtigste Aufgabe bei der Beratung der städtischen Haushalte der nächsten Jahre.

Die Wirtschaftsförderung der Stadt muss nachhaltig optimiert werden, so dass neue Arbeitsplätze mit "Guter Arbeit", d.h. z.B. auskömmlich, gesundheits- und familienfreundlich entstehen. Jedes Kind bzw. Jugendlicher muss gleiche Bildungschancen haben, d.h. wir müssen dafür die Voraussetzungen weiter entwickeln.

Außerdem brauchen wir mehr Kitaplätze, sichere Gehwege und weiteren Ausbaus des öffentlichen Personennahverkehrs.

Welche Perspektive und Rolle hat die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt?

Halle ist der wichtigste Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort in Sachsen-Anhalt und ein Oberzentrum, das auch im Sport weit über seine Grenzen hinaus wirkt.

Die Perspektiven unserer Stadt sind in Sachsen-Anhalt, übrigens auch im Zusammenwirken mit Magdeburg und Dessau-Roßlau hervorragend, wenn sich die Oberzentren als "Motoren für nachhaltige Entwicklung" verstehen und diese Rolle auch tatsächlich annehmen. Dazu gehört selbstverständlich auch eine enge Zusammenarbeit z.B. mit Leipzig und Jena bzw. den angrenzenden Landkreisen.

Und wie wollen Sie die Weiterentwicklung der Stadt unterstützen?

Eine wichtige Säule der Weiterentwicklung ist die aktive Netzwerkarbeit mit allen relevanten Akteuren in der Region, im Wirtschaftsraum, aber z.B. auch mit Land und Bund.

Der Stadtrat muss bei seinen Beschlüssen darauf achten, dass diese einer solchen Kooperation dienen oder die eigenenInitiativen (z.B. in der Stadtentwicklung) echte und wirksame Impulse darstellen, die einer positiven Entwicklung dienen. Da gibt es aus meiner Sicht noch viel zu viel Aktionismus ohne wirkliche Ergebnisse.

Was denken Sie über die von der Landesregierung geplanten Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich?

Ich halte die Art und Weise des Vorgehens bzw. die geäußerten Absichten mit Blick auf die weitere Entwicklung der Stadt für verheerend. So wie das bisher angepackt worden ist war "suboptimal", auch wenn wir gut haushalten und Ausgaben verringern müssen.

Die ganze Debatte hat uns als Stadt, aber auch dem Land, schon weit über unsere Grenzen hinaus, sehr geschadet. Ich hoffe sehr, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich dieser Strategie erfolgreich entgegen stellen und die Politik zum Umdenken zwingen.

Wie sehen Sie die Zukunft Halle-Neustadts?

Das Entwicklungspotenzial dieses Stadtteils ist sehr gut, aber es gibt noch viele Reserven. Das ist übrigens so, wie in allen anderen Stadtteilen auch.

Die feste Anbindung durch die Straßenbahn hatte ein noch größeres Zusammenwachsen zur Folgen. Wichtig ist die kontinuierliche weitere Etablierung von Dienstleistungs- und Serviceangeboten "vor Ort", also in Halle-Neustadt selbst.

Das diesjährigen 50jährige Jubiläum sollte in uns auch die Erkenntnis vertiefen, dass ein Stadtteil trotz gravierender Veränderungen eine Zukunft hat, wenn alle bereit sind diese aktiv zu gestalten.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage, der Sommer steht vor der Tür: Welches ist ihr Lieblingsplatz in Halle?

Das Riveufer. Dort gehe ich gern spazieren und kann mich dabei gut erholen.

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