„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Dr. Karamba Diaby (SPD)

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

1985 bin ich nach Deutschland gekommen. In Halle lebe ich seit 1986, zunächst in Halle-Neustadt und seitdem in Halles Innenstadt.

Auf welche Ausbildung blicken Sie zurück?

Ich habe im Senegal angefangen zu studieren. Ende der 1980er Jahre habe ich an der Martin-Luther-Universität Chemie studiert. 1996 wurde ich im Bereich Geoökologie mit einer Arbeit über die Schadstoffbelastung der hiesigen Kleingärten promoviert.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich politisch aktiv. Ich habe ganz "klassisch" als Schülervertreter angefangen. Später an der Universität in Dakar war ich in den Hochschulgremien aktiv und habe mich für die Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt.

Was treibt Sie an?

Wenn ich mir meinen Werdegang anschaue, kann ich feststellen, dass mir in den verschiedenen Phasen meines Lebens immer wieder Chancen gegeben wurden.

Deshalb ist das auch der Antrieb meines politischen Handelns: Ich will, dass jedes Kind von klein auf Chancen erhält - egal aus welchen Stadtteil, aus welchem Elternhaus oder welcher Religion es angehört. Dafür lohnt es sich, sich zu engagieren.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Stadtratsmitglied vorgenommen?

Meinen bisherigen Schwerpunkt im Bereich Bildung möchte ich beibehalten. Ich bin überzeugt von der Idee der Gemeinschaftsschule. In Halle haben wir noch viel zu wenige davon. Magdeburg ist uns hier voraus.

Ich leiste gerne Überzeugungsarbeit bei den Beteiligten vor Ort, damit wir am Ende der Wahlperiode mehr Gemeinschaftsschulen in Halle haben als jetzt.

Welche Perspektive und Rolle hat die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt?

Auch wenn Halle nicht die Landeshauptstadt ist, die Kulturhauptstadt des Landes sind wir allemal. Damit ist ein wichtiger Baustein, der auch in Zukunft seine Kraft entfalten wird, benannt.

Halle ist zugleich eine Stadt der Wissenschaft. Ohne die Universität und viele weitere Bildungs- und Forschungseinrichtungen wären wir um ein Vielfaches ärmer. Das wird auch in Zukunft das Fundament der Entwicklung unserer Stadt sein.

Wichtig ist: Davon profitiert auch die Wirtschaft.

Und wie wollen Sie die Weiterentwicklung der Stadt unterstützen?

Meine Fraktion und ich haben in der vergangenen Wahlperiode immer im Interesse und zum Wohle der Stadt entschieden. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass das alle Beteiligten im Stadtrat tun. Meinungsverschiedenheiten hin oder her: Wenn sich alle an dieses Prinzip halten und Argumenten Raum gegeben wird, haben wir schon viel gewonnen.

Was denken Sie über die von der Landesregierung geplanten Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich?

Die kulturelle Vielfalt ist in Halle so groß wie in keiner anderen Stadt unseres Bundeslandes - auch in der freien Szene. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Es ist doch klar, dass keine Sozialdemokratin und kein Sozialdemokrat in Halle glücklich über die im Raum stehenden Kürzungen an den Unis und in der Kultur ist.

Ich bin optimistisch, dass es uns gelingt, einige der im Raum stehenden Maßnahmen abzumildern. Für den Kulturbereich kann u.a. festgehalten werden: Halle wird mit der Staatskapelle ein sogenanntes A-Orchester erhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft Halle-Neustadts?

In Halle-Neustadt hat sich seit 1990 viel getan. Ich glaube, dass es gelungen ist, z. B. durch die Internationale Bauausstellung, wichtige Entwicklungen anzustoßen. Halle-Neustadt war und ist ein lebenswerter Stadtteil.

Der Abriss vieler Häuser wurde durch das Mehr an Grünflächen zum Wohle der Einwohner verändert. Für viele Studierende ist Halle-Neustadt zur neuen Heimat geworden. Hier leben jüngere und ältere Bürgerinnen und Bürger beisammen wie in kaum einem anderen Stadtteil.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage, der Sommer steht vor der Tür: Welches ist ihr Lieblingsplatz in Halle?

Mein Lieblingsort in Halle ist das Paulusviertel. Hier lebe ich seit vielen Jahren und fühle mich wohl.

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