„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Dr. Bodo Meerheim (DIE LINKE)

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Von 1959 bis 1975 und von 1983 bis heute.

Auf welche Ausbildung blicken Sie zurück?

Ich habe Abitur. Nach 5 jährigem Studium an der Universität in Kasan kam ich an die MLU Halle als wiss. Assistent, schrieb während dieser Zeit (4 Jahre) meine Doktorarbeit und war bis zur Wende Aspirant an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Berlin.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Durch mein Elternhaus. Wir waren und sind nie unpolitisch gewesen! - zu Zeiten der Existenz der DDR wie auch nach  ihrem Beitritt zur BRD.  Zur Kommunalpolitik kam ich über meine Tätigkeit als Geschäftsführer der GEW in Halle seit 1991. Damals bahnten sich die ersten riesigen Entlassungswellen von ErzieherInnen  durch die Stadt Halle an und ich nahm auf  Seiten der Gewerkschaften an den Protesten dagegen und schließlich an Verhandlungen zur Abmilderung der Folgen teil. Heute kaum vorstellbar, weil Erzieher / innen gesucht werden.

Was treibt Sie an?

Mein Gewissen, mein Wissen,  mein absoluter Gerechtigkeitssinn, die wirtschaftliche und soziale Schieflage in unserer Gesellschaft und auch darüber hinaus in der Welt.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Stadtratsmitglied vorgenommen?

Daran mitzuwirken, möglichst viele Punkte des Wahlprogramms unserer Partei  umzusetzen. Schließlich darf ich dann davon ausgehen, dass ich auch wegen dieser Inhalte gewählt wurde.

Welche Perspektive und Rolle hat die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt?

Die Frage sollten eigentlich Landespolitiker beantworten, wenn wir z. Bsp. an die Kultur, die Uni und die Uni-Kliniken in dieser Stadt denken. Im Übrigen bin ich, trotz aller sich anbahnenden Schwierigkeiten, Optimist. Um diesen Optimismus mit Leben zu erfüllen brauchen wir als Stadt aber schon die Unterstützung von Land und Bund - auch und insbesondere in finanzieller Hinsicht. Es gilt eben in dieser Gesellschaft das Prinzip "Ohne Moos nix los" - im Positiven wie im Negativen - ; oder richtiger:  Geld beherrscht alles. Und da muss man halt an die Geldquellen ran, sonst ändert sich nichts. Und die Einzigen, die das wirklich wollen, sind wir - die Partei DIE LINKE.

Und wie wollen Sie die Weiterentwicklung der Stadt unterstützen?

Ich stehe für die Inhalte unseres Wahlprogrammes ein. Für dessen Umsetzung in der Stadt Halle trete ich an, weil ich der festen Überzeugung bin, dass dies zur Weiterentwicklung der Stadt beiträgt.

Was denken Sie über die von der Landesregierung geplanten Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich?

Sie sind absolut kontraproduktiv, verheerend, menschenverachtend und zerstören Perspektiven von Studenten, Lehrenden, Forschenden, Kultur- und Kunstschaffenden, Gewerbetreibenden, Dienstleistenden, Produzierenden, kurz: der gesamten Stadt. Sie sind Ausdruck einer Politik ohne Weitsicht, durchdrungen vom Kleingeist mathematisch-politischer Überlegungen ohne gesamtgesellschaftliche  Folgenbetrachtung. Hoffen wir besser nicht, dass die Kommunalpolitiker von SPD und CDU ihre Leute aus der Landespolitik zum Umdenken zwingen; besser Sie als Wählerinnen und Wähler tun dies und zeigen Ihnen die knallrote Karte bei den Europa- und Kommunalwahlen.

Wie sehen Sie die Zukunft Halle-Neustadts?

Die demographische Entwicklung wird Neustadt die Zukunft nicht verbauen. Es ist schon heute der grünste Stadtteil der grünsten Großstadt. Die Wohnungsgesellschaften in diesem Stadtteil  sind äußerst engagiert und reagieren auf die Veränderungsprozesse in der Neustadt. Die Neustadt hat schon vieles von dem, was das Leben lebenswert macht.

Bedarf besteht allerdings in den Bereichen von Kultur und Freizeit. Hier muss in den nächsten Jahren etwas passieren. Im Übrigen entwickelt sich HANEU gerade zum Stadtteilzentrum hochwertiger Sporteinrichtungen (Ballsporthalle , Eissporthalle. Eisdom, Neustädter Stadion, BIZ-Halle, Skateranlage). Neustadt bleibt auch die größte Mittelstadt  Sachsen-Anhalts als Stadtteil von Halle. Genug Gründe selbstbewusster Neustädter zu sein.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage, der Sommer steht vor der Tür: Welches ist ihr Lieblingsplatz in Halle?

Unsere Dachterrasse hoch über der Stadt mit einem tollen Blick auf die 5 Türme und die letzten verblieben Hochhäuser in Halle - die Neustadt.

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