„Ein Bürger ist nicht, wer bloß in der Gesellschaft lebt, ein Bürger ist, wer sie ändert.” Augusto Boal

Denis Häder (MitBürger)

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich bin 1975 in Halle geboren und lebe demnach seit fast 39 Jahren in Sachsen-Anhalt.

Auf welche Ausbildung blicken Sie zurück?

Nach der Schule, die ich 1994 mit dem Abitur abschloss, habe ich bis 1999 Jura an der MLU studiert. An das Studium schloss sich das 2-jährige Referendariat in Sachsen-Anhalt mit dem 2. Staatsexamen als Abschluss an. Seitdem bin ich als Rechtsanwalt in Halle tätig.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Bekannte und Mandanten hatte mich vor 10 Jahren angesprochen, ob ich nicht Interesse habe, mich unabhängig von irgend einer Partei kommunalpolitisch zu engagieren. Damals bestand eine sehr große Unzufriedenheit mit der Stadtratsarbeit. Wo sich die Parteien oft gegenseitig blockierten und die Zukunftsprognosen für Halle sehr schlecht waren.

Diese veranlasste insbesondere unternehmerisch tätige Hallenser dazu, eine parteiunabhängige Wählergruppierung (WIR.FÜR HALLE) mit dem Ziel zu gründen, sich durch die im eigenen Berufsleben erlangten Kompetenzen in die Kommunalpolitik einzubringen und die Lösung von Sachfragen anstelle einer politischen Grundausrichtung in den Vordergrund zu stellen. Dieser Ansatz überzeugte mich, weshalb ich vor 10 Jahren zum ersten Mal für den Stadtrat kandidierte.

Wir bildeten damals dann eine gemeinsamen Fraktion u.a. mit den MitBürgern, wobei die Zusammenarbeit so gut funktionierte und sich auch die Kompetenzen dieser beiden parteiunabhängigen Wählergruppierung so gut ergänzten, dass wir bei der letzten Wahl entschieden haben, gemeinsam als MitBürger für Halle anzutreten.

Was treibt Sie an?

Mich für meine Heimatstadt zu engagieren, damit das Leben hier noch lebenswerter wird. Vor allem den jungen Menschen müssen gute Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden, damit sie nicht nach Schule, Ausbildung oder Studium die Stadt verlassen müssen, weil die beruflichen Perspektiven in der Region nicht stimmen.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Stadtratsmitglied vorgenommen?

Meine berufliche Kompetenzen in die Stadtratsarbeit einzubringen und dabei die Interessen der Hallenserinnen und Hallenser anstelle denen einer Partei in den Mittelpunkt zu stellen. Ich möchte die bisherige sachliche und lösungsorientierte Arbeit fortsetzen, in welcher wir als Fraktion oftmals eine Vermittlerolle zwischen den unterschiedlichen politischen Strömungen einnehmen konnten. 

Weiterhin möchte ich mich für eine verbesserte Bildungsinfrastruktur und eine stärkere Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft sowie Verwaltung einsetzen.

Welche Perspektive und Rolle hat die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt?

Die Stadt Halle als Oberzentrum des südlichen Sachsen-Anhalts hat eine wesentliche Rolle für die weitere Entwicklung unseres Bundeslandes. Weiterhin ist Halle die Kultur- und Wissenschaftshauptstadt in Sachsen-Anhalt, wobei Halle als Sitz der Bundeskulturstiftung und der Nationalakademie in jenen beiden Bereichen sogar bundesweit eine bedeutende Rolle zukommt.

Gerade als Wissenschaftsstandort sehe ich sehr gute Perspektiven in Halle, zumal eine gute Ausbildung und Forschung auch Motor für Unternehmensansiedlungen sein kann.

Und wie wollen Sie die Weiterentwicklung der Stadt unterstützen?

Als Mitglied einer parteiunabhängigen Wählervereinigung, die es nur in Halle gibt, brauche ich keine Rücksicht auf die Interessen von anderen Politkern auf Landes- oder Bundesebene nehmen. Den ausschließlichen Fokus meiner Arbeit bilden demnach die Interessen der Stadt Halle.

Auf jene Interessen gilt es konsequent auch gegenüber den Landespolitikern bei der ständigen Kürzung von Finanzzuweisungen hinzuweisen und gleichzeitig durch eine Imagekampagne aufzuzeigen, in was für einer schönen Stadt wir leben sowie welche Potentiale Halle hat.

Was denken Sie über die von der Landesregierung geplanten Einschnitte im Bildungs- und Kulturbereich?

Jene Einschnitte sind kontraproduktiv für die weitere Entwicklung von Halle. Ein breites Kulturangebot sowie insbesondere auch eine Volluniversität sind entscheidende Standortfaktoren. Die halleschen Hochschulen sind darüber hinaus auch ein Wirtschaftsmotor, weshalb es notwendig ist, diese zu stärken anstelle durch Kürzungen das Angebot und die Zahl der Studenten zu verringern. Gerade in Zeiten, wo bundesweit immer mehr in Bildung investiert wird, sind die von der Landesregierung geplanten Einschnitte nicht nachzuvollziehen und ein Schritt in die falsche Richtung.

Halle ist eine Kultur- und Wissenschaftsstadt und muss dies auch künftig bleiben.

Wie sehen Sie die Zukunft Halle-Neustadts?

Halle-Neustadt ist zu einem wichtigen Teil von Halle geworden und wird es auch in Zukunft bleiben. Viele Hallenser wohnen gerne in Halle-Neustadt, wobei uns dies nicht davon abhalten darf, weitere Maßnahmen zur Aufwertung des Stadtteiles vorzunehmen. Es wird auch zu einem stärkeren Verwachsen von Neu- und Altstadt kommen. Dies allein durch die Bauaktivitäten im Bereich Heide-Süd.

Wichtig ist es, weiterhin aktiv für eine Belebung des Zentrums Neustadt einzutreten, da dies auf den gesamten Stadtteil ausstrahlt.

Zum Abschluss noch eine kleine Frage, der Sommer steht vor der Tür: Welches ist ihr Lieblingsplatz in Halle?

Gerade im Sommer ist es an der Saale am schönsten. Auf einen konkreten Ort möchte ich mich dabei gar nicht festlegen. Man bekommt an oder auf der Saale auch immer sehr gut aufgezeigt, welches - teilweise noch ungenutztes - Potential Halle durch die Lage am Fluss hat, dass hoffentlich bald stärker in den Fokus rückt.

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