Wahlergebnisse und Umfragewerte
- 13.10.2010 20:43
- Kategorie: Kommentare
Ein Gastbeitrag von Frank Rugullis (Journalist).
In diesen Wochen werden wieder Umfragen zur politischen Stimmung in Sachsen-Anhalt herausgegeben, denn in knapp sechs Monaten wird ein neuer Landtag gewählt. In diesem Beitrag geht es um den Zusammenhang zwischen Umfragen und Wahlergebnissen.
In diesen Wochen werden wieder Umfragen zur politischen Stimmung in Sachsen-Anhalt herausgegeben. In knapp sechs Monaten wird ein neuer Landtag gewählt. Wie immer zu diesem Zeitpunkt vor einer Wahl stellt sich die Frage, was ist von den Umfragen zu halten? Wie präzise bilden sie die aktuelle Stimmung im Wahlvolk ab? Und wie zuverlässig gelingt es den Meinungsforschungsinstituten, mögliche Veränderungen im Wahlverhalten in der Bevölkerung auszudrücken?
Vergleicht man die Ergebnisse der vergangenen drei Wahlen in Sachsen-Anhalt mit den vorherigen Umfragen, fallen zwei Dinge auf. Erstens: die SPD ist die einzige Partei in Sachsen-Anhalt, deren Wahlergebnisse bei allen drei Wahlen deutlich schlechter waren als die vorherigen Umfragewerte. Und zweitens gelang der FDP 2002 ein überraschend gutes Ergebnis, das nach den Umfragen vor der Wahl so nicht zu erwarten war.
Für Wahlforscher gibt es ein großes Problem und zwar die unentschlossenen Wähler, die oft erst in der Wahlkabine entscheiden, welcher Partei sie ihre Stimme geben. Dieses Phänomen dürfte der SPD in Sachsen-Anhalt gleich mehrfach geschadet haben, auch wenn Erklärungen nie monokausal sind. Der SPD scheint es in den Wahlen nie gelungen zu sein, alle Menschen zur Stimmabgabe zu bewegen, die sich noch im Vorfeld eher zu ihr bekannt haben. Außerdem scheint es die SPD zwischen der CDU und der Linken zu zerreiben. Viele Wechselwähler geben doch dann entweder der CDU oder der Linken ihre Stimme und weniger der SPD. Hinzu kommt, dass die SPD in Ostdeutschland im Vergleich zur SPD in Westdeutschland ein viel kleineres Stammwählerpotenial vorweisen kann. Sieht man sich den Vergleich zwischen Umfragen und Wahlergebnissen an, drängt sich außerdem der Verdacht auf, dass viele SPD-Wähler am Wahltag aufgrund einer fehlenden Motivation zu Hause geblieben sind.
Analysiert man das Wahlergebnis der FDP im Jahr 2002, erinnert man sich schnell an den damaligen Slogan der Partei "Höppner geht, die Arbeit kommt!" Die FDP pumpte in diesem Wahlkampf ungewöhnlich viel Geld nach Sachsen-Anhalt und man konnte den Eindruck gewinnen, dass die FDP überall im Land mit Plakaten präsent war. Der Ton der FDP war 2002 durchaus aggressiv und mündete in dem umstrittenen Slogan, der sich unmittelbar gegen den damaligen Ministerpräsidenten Höppner richtete. In den Umfragen vor der Wahl wurde der aufwändige Wahlkampf der FDP noch nicht von den Wählern honoriert, in der Wahlkabine dann aber doch. Offensichtlich gelang es der FDP dann doch, viele Wechselwähler anzusprechen. Andererseits mobilisierte die Partei offenbar fast zu 100 Prozent ihre Stammwählerschaft. Dass die Arbeit auch ohne Höppner nicht nach Sachsen-Anhalt kam, blieb eine Randnotiz der Geschichte Sachsen-Anhalts.
Fazit: Fehlprognosen kommen immer dann vor, wenn ein großer Teil der Wähler bis zur letzten Minute seine Wahlentscheidung hinauszögert. Ein besonders hoher Anteil von Wechselwählern, wie zum Beispiel bei vielen Wahlen in Ostdeutschland, kann die Prognosen außerdem erschweren.
Im Anhang finden Sie den Link zur Quelle der statistischen Daten sowie ein höher aufgelöstes Bild als PDF-Daten. Die Daten zu den Umfragewerten wurden ermittelt, indem aus den Werten der letzten 9 Umfragen vor einer Wahl der Mittelwert gebildet wurde.
