Die Wahlbeteiligung und der Trend
- 04.07.2012 07:43
- Kategorie: Oberbürgermeister 2012
Ganz Halle hat am Sonntag den neuen Oberbürgermeister gewählt. Ganz Halle? Nicht ganz, denn, wie bereits 2006, hat nur etwas mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten am Wochenende den Gang zur Wahlurne angetreten. Die unterschiedliche Wahlbeteiligung in den Wahlkreisen und Stadtteilen und deren Auswirkungen auf die Wahl werden in diesem Artikel genauer analysiert.
Wenn man nicht nur die niedrige Gesamtwahlbeteiligung, sondern die einzelnen Wahlbezirke betrachtet, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Die höchste Wahlbeteiligung gab es in den westlichen Wahlbezirken und die höchste Wahlbeteiligung der Saalestadt im Stadtteil Kröllwitz wo in der Grundschule Kröllwitz 51% der Wähler ihre Stimme abgegeben haben. Weiterhin haben in den Stadtteilen Heide-Süd, Giebichenstein und Dölau über 40% der Wähler den Wahlsonntag für einen Spaziergang zur Wahlkabine genutzt.
Enttäuschend dagegen war das Interesse hingegen in vielen Wahlkreisen der Neubaugebiete. Mit unter 14% weist der Stadtteile Silberhöhe die geringste Wahlbeteiligung aus, Halle-Neustadt erreicht 20% Wahlbeteiligung (südliche Neustadt 18%, westliche und nördliche Neustadt 21%). Ebendalls nur 20% Wahlbeteiligung gab es im Stadtteil Lutherplatz/Thüringer Bahnhof, gefolgt vom Stadtteil Trotha mit 22%.
Wie sich bereits in den Prognosen vor der Wahl abzeichnete, konnte der CDU-Kandidat Bernhard Bönisch die meisten Stimmen auf sich vereinen. Sein bestes Ergebnis konnte er im Wahlbezirk Dautzsch erzielen wo sich beinahe 58% der Wahlberechtigten für ihn entschieden. Auch in den Stadtteilen Mötzlich und Südstadt lag sein Ergebnis im Bereich von 50%. Wohingegen er vor allem in der Altstadt und Innenstadt mit knapp 25% seine schlechtesten Ergebnisse verzeichnete.
Der von der letzten Umfrage von Mitteldeutscher Zeitung und MDR auf Platz zwei verortete SPD-Kandidat Kay Senius konnte diese Prognose am Wahlsonntag nicht bestätigen: Zwar lag er in den nördlichen Stadtteilen nach Bernhard Bönisch auf Platz zwei, wobei er dort auch gleichzeitig seine besten Ergebnisse erzielen konnte, musste sich aber in der Endabrechnung dem parteilosen Kandidaten Dr. Bernd Wiegand geschlagen geben. Letzterer konnte in den westlichen Wahlbezirken (Dölau, Nietleben, Heide-Süd) seine besten Ergebnisse holen.
Sie können die Grafik in
der Auflösung von 800x580 hier herunterladen. Basis der Daten ist das offizielle Wahlergebnis, wir haben die Wahlbeteiligung für jedes Wahllokal ermittelt und daraus einen Trend für die Wählerstimmen der beiden Kandidaten errechnet.
Hier zeigt sich ein interessanter Trend: Betrachtet man die Verteilung der Stimmen für Bernd Wiegand und Kay Senius in Abhängigkeit von der Wahlbeteiligung, so lässt sich erkennen, dass der parteilose Kandidat in den Wahlbezirken besser abgeschnitten hat, in denen auch die Wahlbeteiligung vergleichsweise niedrig war. In den Wahllokalen mit einer höheren Wahlbeteiligung hingegen konnte der SPD-Kandidat mehr Stimmen für sich verzeichnen. Dies kann darauf hinweisen, dass die SPD und Kay Senius es nicht geschafft haben, die SPD-Wähler zur Abgabe ihrer Stimme zu bewegen.
Fraglich bleibt, wie sich die Wähler der Kandidaten, die es nicht in die Stichwahl geschafft haben, im zweiten Wahlgang entscheiden und ob es die beiden verbliebenen Kandidaten schaffen, die von der Wahl ferngebliebenen Bürger zu mobilisieren. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2006, bei der im ersten Wahlgang lediglich 32% der halleschen Bürger ihre Stimmen abgaben, nutzten im zweiten Wahlgang nur noch 25% der Wahlberechtigten die Möglichkeit der Stimmabgabe.
Hinweis: Der Artikel wurde um 11:00 Uhr überarbeitet: Angaben zu Stadtteilen und Wahlbezirken waren unpräzise, einige Angabe zur Wahlbeteiligung waren nicht korrekt.
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